In fünf geförderten Projektgebieten im Umland von Neubrandenburg hat neu.sw in den vergangenen Jahren mehr als 1 200 Kilometer Glasfasernetz gebaut und rund 9500 Anschlüsse realisiert. Dabei ist viel Know-how entstanden. Diese Erfahrung kommt inzwischen auch in der Vier-Tore-Stadt zum Einsatz, wo die nächste große Etappe läuft. Lutz Jungnickel (Foto, links),
neu.sw Betriebsleiter für Ausbau, Entwicklung und Betrieb der Kommunikationsnetze, und Jörg Fischer, Leiter Netzbetrieb Kommunikationsnetze, im Gespräch über den Glasfaserausbau im Umland und in Neubrandenburg.
Was war der emotionalste Moment?
Lutz Jungnickel: „Die Anfangszeit. Als wir begonnen haben, war uns bewusst: Das wird etwas Großes. Besonders bewegt hat mich der Moment, als Ende 2018 die ersten Kunden in Pripsleben ans Netz gingen. Da standen wir mit Technikern, Presse und Kunden gemeinsam in einem Wohnzimmer und konnten sehen: Es funktioniert wirklich. Wenn ich heute durch die Dörfer und Gemeinden fahre, werden viele Erinnerungen wach. Ich weiß noch, wie wir an einzelnen Häusern um die beste Lösung für die Hauseinführung gerungen haben.“
Jörg Fischer: „Für mich ist es weniger ein einzelner Moment. Mich bewegt die Entwicklung insgesamt. Als ich 2012 zur neu-medianet – der Stadtwerke Tochterfirma für Fernsehen, Telefon und Internet – kam, standen bereits das TV-Kabelnetz und das Datennetz im Mittelpunkt. Heute entwickeln wir es zum Glasfasernetz weiter. Diese Entwicklung mitzugestalten, macht mich stolz.“
War die Dimension des Projekts absehbar?
„Ja“, sagt Lutz Jungnickel. „Schon die ersten Berechnungen zeigten, dass wir über eine Größenordnung sprechen, die wir zuvor nicht kannten. Deshalb haben wir ein eigenes Projektteam aufgebaut. Uns war klar: Das wird ein Infrastrukturprojekt für eine ganze Generation. Besonders eindrucksvoll war, wie viele Menschen kamen und nach Glasfaser fragten. Man hat gespürt, wie wichtig schnelles Internet gerade im ländlichen Raum ist. “
Was wird die größte Herausforderung?
In Neubrandenburg existiert bereits ein Kabelnetz. „Die Kunst besteht darin, dass die Menschen ihre gewohnten Angebote wie Internet, Telefon und Fernsehen möglichst ohne Unterbrechung weiter nutzen können, bis wir den Glasfaseranschluss aktivieren“, erklärt Jörg Fischer.
Gleichzeitig sieht er einen Vorteil bei neu.sw: „Wir sind hier zu Hause und oft sogar selbst Nachbarn. Wir kennen die Stadt, die Häuser und viele Menschen. Das macht den Unterschied.“
Was sagen Sie den Menschen, die den Ausbau zunächst als Baustelle erleben?
„Natürlich sind Baustellen manchmal lästig“, sagt Jörg Fischer. „Aber man sollte immer bedenken, was dort entsteht. Oft sieht man die Baustelle nur wenige Tage. Das Netz bleibt dann dauerhaft.“
Warum ist Glasfaser mehr als nur schnelles Internet?
Beide sehen die Bedeutung weit über Streaming und Downloads hinaus. Künftig brauchen Energieversorgung, Elektromobilität, Verwaltung und Telemedizin starke Netze. „Internet wird so selbstverständlich sein wie Strom oder Wasser“, sagt Lutz Jungnickel. „Die Menschen sollen gar nicht mehr über die Technik nachdenken müssen. Sie soll einfach funktionieren. Glasfaser ist eine Investition auf sehr lange Sicht – und die Grundlage dafür, dass unsere Region auch in Zukunft leistungsfähig und lebenswert bleibt.“